KI – Was bedeutet sie für Leser und Autoren?

Bäng – da ist sie, die Künstliche Intelligenz. Mit Macht drängt sie in unseren Alltag. Wer von ihr nichts wissen will, hat schon verloren. Apps wie Microsoft Office oder Adobe integrieren Elemente der Künstlichen Intelligenz oder bauen Schnittstellen zu KI-Apps ein. Wer Google, Photoshop oder MS Office 360 nutzt, wird in Zukunft auch auf ChatGPT und ähnliche Anwendungen zugreifen, entweder bewusst oder durch die Hintertür der bisher gewohnten Software.

Ein Sprung nach vorne

Die Künstliche Intelligenz ist eine technologische Revolution vom Rang der Erfindung der Dampfmaschine oder des Internets. Sie wird umwälzende Veränderungen anstoßen, aber auch viele neue Möglichkeiten eröffnen. Sie abzulehnen, ist keine Option. Ob wir es wollen oder nicht, wir sind dabei.

Wie kreativ ist die KI?

Was bedeutet das für Leser und Autoren? LeserInnen werden in Zukunft nicht immer merken, ob die Bücher, die sie lesen, von einem Menschen oder einer KI-App geschrieben wurden. Oder ob ein Mensch sie schrieb, aber dafür die Hilfe einer KI nutzte. Denn Bücher, die bereits jetzt wie am Fließband nach Schema F verfasst werden, kann die KI leicht generieren. Da die KI ihre Texte durch die Auswertung bisher bestehender Texte gewinnt, klingen ihre Ergebnisse bekannt. Es wird sich zeigen, ob die KI in einer späteren Ausprägung auch „kreative“, eigene Ideen liefert und die Erzeugung „literarischer“ Werke zulässt. Da die Entwicklung der Technologie exponentiell verläuft, ist dies nicht auszuschließen.

Jobs der Intellektuellen bedroht?

Die Intellektuellen wähnten sich bisher sicher vor Jobverlusten durch Digitalisierung. Wenn gering qualifizierte Arbeiter ihre Jobs verloren, rieten sie diesen zur Umschulung. Genau das wird nun auch Intellektuelle treffen. Denn die KI ersetzt Jobs im intellektuellen und kreativen Bereich. Ersetzt sie diese wirklich? Einige Berufe werden in Zukunft durch die KI obsolet, dafür entstehen neue Berufsbilder, etwa der eines Prompt-Ingenieurs. Prompts heißen die Befehle, die in die KI-Apps eingegeben werden, um Inhalte zu generieren. Es ist nicht einfach, mit Hilfe dieser Prompts das gewünschte Ergebnis zu erhalten. Daher werden demnächst Experten gefragt sein, die dies beherrschen – genauso wie es Social Media-Manager gibt, die die Kunst beherrschen, in den sozialen Medien Aufmerksamkeit für Inhalte zu schaffen.

KI als Ghostwriter?

Was bedeutet die KI für Autoren? Zum einen hilft sie ihnen beim Schreiben und Vermarkten der Bücher. Anstelle einen Grafiker zu beauftragen, kann die Autorin ihr Cover selbst generieren, wenn sie das möchte. Inhalte für Soziale Medien kann Chat GPT formulieren. Doch die Idee für den Inhalt eines Buches oder die Motive eines Covers müssen vom Menschen kommen – und das sind schließlich die eigentlichen kreativen Ideen. Oder wünscht du dir als Leser ein Label wie „KI-frei geschaffen“ auf einem Buch? Möchtest du auch ein Label: „Für dieses Buch wurde keine Suchmaschine befragt?“

Wem gehört das Urheberrecht?

Die die gesamte Buchbranche steht vor neuen Herausforderungen: Wer kann das Urheberrecht für einen KI-generierten Comic beanspruchen? Hat der Autor das Urheberrecht auf einen Roman, dessen Plot und Figuren von einer KI vorgeschlagen wurden? Ist es ein Unterschied, ob ein Autor die KI oder einen Ghostwriter beauftragt, seine Ideen umzusetzen? Der Ghostwriter wird weder namentlich genannt noch hat er Anspruch auf das Urheberrecht – übernimmt die KI-Software nicht die Rolle eines Ghostwriters?

Regulation hinkt hinterher

Die KI-Software wird trainiert, indem bisher bestehende Inhalte eingegeben werden – erhalten die Autoren dieser Inhalte dafür in Zukunft eine Vergütung? Ähnlich wie bei der Abgabe an die VG Wort, die im Preis von Kopiergeräten enthalten ist? Wenn das nicht der Fall ist, kann eine Autorin verbieten, dass ihre Texte zum Trainieren von KI genutzt werden? Und wenn sie das möchte, kann sie es durchsetzen gegen die Konzerne, die die KI vorantreiben?

Die Gesetzgebung hinkt hinter der technologischen Entwicklung hinterher – dies zeigt sich schon bei der Regulierung von Kryptowährungen. Gleiches gilt nun fürs Urheberrecht. Verlagsverträge müssen durchgesehen und notfalls ergänzt werden.

Die anstehende Umwälzungen werden bisher nicht gedachte Möglichkeiten eröffnen, aber dies hat seinen Preis. Man denke nur, wie die Welt vor und nach der Erfindung der Dampfmaschine aussah – das gibt eine Vorstellung von der Dimension der Veränderungen, die uns erwarten.

Stand: 4/2023