Jingle! Einer dieser nervigen Klingeltöne ist zu hören.

Der Moderator klingt aufgeräumt. „Willkommen im Studio von Radio X, dem unabhängigen Frankfurter Stadtradio. In unserer Sendung ‘vorgestellt’ sprechen wir heute mit Sandra Isolde Hardenberg.“

„Sag doch Sandy!“

„Okay, Sandy, mach ich gerne. Du hast einen ungewöhnlichen Beruf für eine Frau. Du bist Privatdetektivin. Wie bist Du auf die Idee gekommen?“

„Die Frage finde ich blöd. So ungewöhnlich ist das nicht. Es gibt inzwischen einige Frauen in meinem Beruf.“

„Ich versuche es mit einer weniger blöden Frage. Wie bist Du auf die Idee gekommen, Detektivin zu werden. Hat das Arbeitsamt Dir dazu geraten?“

Sandy lacht. „Ich finde, es ist ein spannender Job. Jedenfalls sitze ich nicht den ganzen Tag im Büro“

„Was machst Du stattdessen?“

„Ich muss natürlich am Computer Berichte schreiben und die Buchhaltung erledigen. Aber meistens bin ich draußen unterwegs. Viel Zeit verbringe ich mit Recherchen vor Ort. Das Beschatten von Zielpersonen gehört auch dazu. Das mache ich häufig für eine Großdetektei.“

„Du hast also keine eigenen Aufträge sondern arbeitest für eine andere Detektei?“

„Für die Detektei Meier übernehme ich vor allem Routineaufgaben wie eben das Beschatten oder Internetrecherchen. Meine eigenen Fälle sind aufregender. Neulich habe ich meiner Schwester geholfen, als sie unter Verdacht stand, ihren Chef ermordet zu haben. Und ich habe einen Jungen aus einem Flüchtlingsheim gesucht, der vermisst wurde. Das war schwieriger als gedacht und entwickelte sich zu einem Wettlauf mit der Zeit.“

„Ist Deine Arbeit gefährlich?“

Sandy zögert. „Manchmal. Man muss auf sich aufpassen.“

„Was war der außergewöhnlichste Fall, den du übernommen hast?“

„Schon mein allererster Fall eskalierte schnell. Ein Professor von der Universität hatte mich gebeten, einige recht naive Todesdrohungen gegen ihn aufzuklären. Ich habe undercover an der Hochschule ermittelt. Plötzlich lag mein Klient tot vor mir. Das war ein Schock. Und natürlich eine Herausforderung, den Mörder zu finden.“

„Du hast schon einige Erfahrung gesammelt. Verdient man denn gut als Schnüfflerin?“

„Also, es geht so, in anderen Jobs macht man mehr Kohle. Die sind aber nicht so spannend.“

„Du hast ein Büro im Westend, wie ich gesehen habe, dafür reicht es offenbar.“

„Das Büro liegt über der Kanzlei meiner Freundin, der Rechtsanwältin Freya Freifrau von Bukow. Sie hat es mir günstig überlassen und ich unterstütze sie dafür mit Recherchen für ihre Klientinnen.“

Der Moderator lacht. „Das erklärt natürlich das noble Büro. Außerdem ist mir was zu Ohren gekommen: Man munkelt, du hättest eine Beziehung mit einem Kommissar der Mordkommission?“

„Munkelt man das?“

„Soweit ich gehört habe, scheint dein Liebesleben komplex zu sein. Polyamourös oder so. Du hast mehrere Liebhaber gleichzeitig?“

„Unverschämt! Das ist ja wohl meine Privatsache!“

Quietschen im Mikrofon. Ein Rums, eine Tür fliegt zu.

“Wir hören erstmal ein wenig Musik.” Der Moderator klingt bemüht fröhlich.

Dudel, dudel.